Projekt CircSmeltSteel

CO2-arme und nachhaltige Verwertung von Sekundärrohstoffen in Elektroöfen für eine hochwertige Stahlherstellung mit hervorragenden Produkteigenschaften

Projektbeschreibung

Die europäische Stahlindustrie arbeitet am Übergang von der CO2-intensiven Hochofen-Konverter-Route (BF-BOF) zur elektrisch basierten Stahlherstellung. Angetrieben wird die Dekarbonisierung auch durch den EU-Green Deal, den Clean Industrial Deal und steigende CO2-Zertifikatskosten. Dieser Wandel schafft jedoch eine kritische Lücke. Eisenreiche Nebenprodukte, die derzeit intern über Sinteranlage und Hochofen recycelt werden, müssen beim Wegfall einer Sinteranlage anderwärtig verwertet werden.

CircSmeltSteel befasst sich gezielt mit dieser Herausforderung. Das Projekt entwickelt, validiert und skaliert zwei CO2-arme elektrische Schmelzrouten – den Electric Smelting Furnace (ESF, auch Smelter, Submerged Arc Furnace oder Open Slag Bath Furnace genannt) und den Elektrolichtbogenofen (EAF). Beide Technologien können ein breites Portfolio an metallurgischen Nebenprodukten als Sekundärrohstoff verarbeiten. Dazu werden im Projekt CircSmeltSteel Hochofenstaub, BOF-Schlacke, EAF-Staub, eisenreicher Prozessschlamm aus einer stahlwerksinternen Abwasserbehandlung sowie die eisenreiche Fraktion der Roheisen-Entschwefelungsschlacke mit mittleren Eisengehalten von rund 40 Gew.-% untersucht. Die angestrebten Nebenproduktanteile betragen bis zu 50 % im ESF und 20 % im EAF, womit eine massive CO2-Reduktion gegenüber der konventionellen BF-BOF-Route erzielt werden kann und im Projekt demonstriert werden soll.

Was CircSmeltSteel auszeichnet, ist die durchgängige Betrachtung der gesamten Prozesskette. Das Projekt umfasst die Charakterisierung der Nebenprodukte und deren Aufbereitung (z. B. Agglomeration von Stäuben) über Schmelzversuche, Sekundärmetallurgie, Gießen, Warm- und Kaltwalzen bis hin zur Bewertung der Eigenschaften des Endprodukts. Der verstärkte Einsatz von Reststoffen als Sekundärmaterialien erhöht unweigerlich den Eintrag an sogenannten Begleitelementen wie Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Kupfer, Molybdän und Zinn. CircSmeltSteel untersucht systematisch, wie sich diese Elemente auf die Bildung nichtmetallischer Einschlüsse, die Oberflächenqualität, das Gefüge und die mechanischen Eigenschaften auswirken und entwickelt Prozessstrategien, um ihre Auswirkungen zu minimieren.

Die Kombination aus physikalisch basierten Modellen und Reduced-Order-Modellen soll für die Level-2-Prozessautomatisierung der beiden Anwendungsfälle Warmwalzen und Glühen nach dem Kaltwalzen genutzt werden. Alle Versuchsergebnisse und Modelle werden auf einer gemeinsamen digitalen Plattform nach FAIR-Datenprinzipien zusammengeführt, die über die Projektlaufzeit hinaus für die Stahlforschungsgemeinschaft zugänglich bleibt. Ökobilanz (LCA) und Lebenszykluskosten (LCC) quantifizieren den ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen, wobei erste Abschätzungen auf mögliche Produktkostensenkungen von bis zu 15 % hindeuten.

Projektziele

CircSmeltSteel verfolgt folgende Kernziele:

  • Nachweis der Verwertbarkeit eisen- und metallhaltiger metallurgischer Nebenprodukte als Sekundär-Einsatzstoff in ESF- und EAF-Prozessen im Pilot- und industriellen Maßstab, mit Nebenproduktanteilen von bis zu 50 % (ESF) und 20 % (EAF).
  • Bewertung der CO2-Reduktion gegenüber der klassischen BF-BOF-Route durch Kombination elektrischer Schmelzverfahren mit biobasierten Kohlenstoffträgern als Ersatz für fossile Reduktionsmittel.
  • Charakterisierung und Quantifizierung des Einflusses von Begleitelementen (N, P, S, Cu, Mo, Sn) auf die Stahlreinheit, die Bildung nichtmetallischer Einschlüsse, Oberflächenfehler und die Gefügeentwicklung entlang der gesamten Prozesskette.
  • Entwicklung und Validierung von CFD-basierten Prozessmodellen für Pfannenofen, Ruhrstahl-Heraeus (RH)-Vakuumentgasung und EAF-Schaumschlacke sowie datengetriebene ROMs für die Level-2-Automatisierung beim Warmwalzen und Glühen.
  • Aufbau einer FAIR-konformen digitalen Plattform zur Zusammenführung aller Prozessdaten, Werkstoffcharakterisierungen und Modellen aus dem Projektkonsortium, ausgelegt auf langfristige Verfügbarkeit über das Projektende hinaus.
  • Ökobilanz (LCA) und techno-ökonomische Analyse (TEA/LCC) zur Quantifizierung der ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile der CircSmeltSteel-Prozessrouten gegenüber konventioneller Stahlherstellung.
  • Entwicklung verwertungsreifer Business Cases und Technologie-Roadmaps für die industrielle Skalierung und damit Schließung einer Wissenslücke, die bisher kein europäisches Großprojekt vollständig adressiert hat: die durchgängige Verknüpfung von Sekundärrohstoffqualität und finalen Stahlprodukteneigenschaften.

Rahmenbedingungen